#28DoB: Warum ich Gesangsunterricht nehme – und was er mir bringt

Ich mache seit Anfang der 1980er Jahr Musik, und stets war es eine Mischung aus Gesang und Gitarre. Das Gitarre Spielen hab ich mir genauso autodidaktisch angeeignet wie das Singen, nur das ersteres unterstützt wurde von zahlreichen Gitarrenbüchern wie denen des wunderbaren Peter Bursch (wer kennt ihn nicht).

Nur die Singerei, die blieb dabei – ausbildungstechnisch – immer ein wenig auf der Strecke. Und natürlich war mir immer klar, dass meine Stimme nicht so klingt, wie sie klingen könnte. Aber für meine ganz privaten Zwecke und für den ein oder anderen Auftritt auf politischen Veranstaltungen hat es meine Singerei immer getan.

Bis vor gut zwei Jahren. Da hatte ich auf einmal das Gefühl, ich könnte noch mal was für meine Stimmbildung tun. Und so landete ich bei Julia, meiner Gesanglehrerin, die ich schon lange kenne. Denn sich in die Hände eines Gesangslehrers oder -lehrerin zu begeben, erfordert eine ganze Menge Vertrauen – also zumindest in meinem Fall.

Der Gesangsunterricht hat meine Musik verändert

So also begannen wir Anfang 2016 mit unserem gemeinsamen Unterricht, und es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn was mit meiner Stimme in diesen zwei Jahren alles passiert ist, lässt sich leider nicht in einen Blogbeitrag packen. Und auch wenn das Tollwood-Team wohl wegen meiner „nicht tragenden und ausgebildeten“ Stimme meine Bewerbung abgelehnt hat, weiß ich doch, was ich kann und was ich mir zutraue. Und das ist im Vergleich zu vor zwei Jahren eine ganze Menge.

Es geht nicht nur um die Gesangsübungen. Die sind zwar wichtig und helfen mir sehr, aber die gemeinsame Stunde mit Julia ist noch viel mehr. Denn sie lehrt mich neben dem Treffen der richtigen Töne, vermehrt auf meine Artikulation zu achten. Zeigt mir, wie ich richtig atme. Und was für mich ganz entscheidend ist: Wie ich einen Song so arrangiere und singe und spiele, dass er noch ein bisschen schöner klingt, das lerne ich von Julia auch. Schließlich sollen sich meine Zuhörer so gut wie möglich unterhalten fühlen.

Musik ist so viel mehr als nur die richtigen Töne

Dazu gehört immer eine bestimmte Stimmung des Liedes, seine ganz eigene Dynamik, die richtige Erzähltechnik, und vieles mehr. Immer, wenn die Gesangsstunde vorbei ist, nehme ich neue und wichtige Erkenntnisse rund um ein Musikstück mit nach Hause. Und das ist mir genauso wichtig wie die richtigen Töne und die perfekte Atmung.

Micha mit Taylor

Wie Gesangs­unter­richt meine Musik verändert hat

Wie ich hier ja schon erzählt habe, mache ich seit 1981 Musik  mit der Gitarre und meiner Stimme. Beides habe ich mir sehr autodidaktisch angeeignet, da mir Gitarren- bzw. Gesangstunden irgendwie immer teuer waren.

Das selbstständige Lernen der Gitarre habe ich mithilfe diverser Bücher immer ganz gut hinbekommen. Vor allem der großartige Peter Bursch hat mir am Anfang sehr geholfen, und wenn ich heute gefragt werde, welche Gitarrenfibeln ich empfehlen würde, fällt dabei sein Name. Das Folkpicking habe ich allerdings nicht von Bursch, sondern vom fabelhaften Sigi Schwab gelernt. Da waren viele, viele Stunden des immer wieder Übens dabei. Aber es hat sich gelohnt, wage ich heute zu behaupten.

Mit dem Singen verhielt es sich stets ein wenig anders, denn wie so viele andere auch, nahm ich (fälschlicherweise) an, dass ich halbwegs singen kann. Diese Annahme hielt sich viele, viele Jahre – genauer gesagt, bis Ende 2014. Das habe ich den Beschluss gefasst, meine stimmliche Qualitäten in die Hände einer erfahrenen Sängerin zu legen. Das Gute daran war, dass ich sie schon länger kannte, was mir den Einstieg in den Gesangsunterricht enorm erleichtert hat.

Und, hat mir der Unterricht bei Julia geholfen? Und wie! Es gibt ja so viel zu lernen, was das richtige Singen betrifft. Sei es die Bauchatmung oder das richtige Einsingen oder das Betonen von Vokalen und Konsonanten – ich habe dank Julia bisher so viel über das Singen gelernt, wofür ich ihr sehr, sehr dankbar bin.

Aber auch meine Herangehensweise an neue oder bekannte Lieder hat sich seitdem fundamental geändert. So habe ich früher Lieder einfach nur gesungen und gespielt, heute beschäftige ich mich eingehend mit einem Stück, das ich zu einem späteren Zeitpunkt entweder vor Publikum aufführen oder digital aufnehmen möchte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…
drei-gitarren-in-einer-reihe-larrivee-hanika-taylor